Prof. Dr. Silke Leopold | Foto: Mathias Marx
Für ihre großen Verdienste um die Erforschung der Barockmusik in regionalen und internationalen Zusammenhängen und für ihre Leistungen als Vermittlerin musikhistorischen Wissens in die musikalische Praxis und das Kulturleben ehren wir Frau Prof. Dr. Silke Leopold mit dem Internationalen Heinrich-Schütz-Preis 2024.
Eine lebendige und sendungsbewusste Faszination für Musik zeichnet Silke Leopolds Forschen, Lehren und Vermitteln seit jeher aus. Ihre bahnbrechenden Studien zur Barockmusik in europaweitem Maßstab haben den Fachdiskurs bereichert, und sie eröffnen wegen ihrer ebenso präzisen wie eingängigen Formulierungskunst die musikalische Welt der Barockzeit nicht nur Fachleuten, sondern auch überaus erfolgreich einer breiten Leserschaft. Die Begeisterung, mit der Silke Leopold Musik und musikalische Kulturgeschichte näherzubringen vermag, macht sie zu einer hochgeschätzten Dozentin, Vermittlerin und Beraterin bedeutender Ensembles und Persönlichkeiten der Alten Musik weltweit. Die Musik und Zeit von Heinrich Schütz, ja die Barockmusik Mitteldeutschlands in ihrer ganzen Vielfalt begreift und deutet sie mit weitem Blick als Abbild einer europäischen, transnationalen Kultur. Ihre Forschungen und ihr Engagement zeigen eindrucksvoll, dass sich in diesem Erbe mit seiner Weltoffenheit, Vielsprachigkeit, Neugier und Toleranz reiche Anknüpfungspunkte für eine glückliche Zukunft dieser Region finden und entwickeln lassen. Sie selbst schreibt: „Musiker aus Mitteldeutschland bereicherten und beeinflussten das europäische Musikleben, ebenso wie Musik und Musiker aus Europa die mitteldeutsche Musik vor künstlerischer Inzucht bewahrten. All dies kann ein Modell für die Zukunft einer Region sein, ein Impuls, die eigene Identität neu zu denken. Oder, wie es Odo Marquard 2003 formulierte: Zukunft braucht Herkunft. Und die ist – das lehrt uns die mitteldeutsche Barockmusik – reich, bunt und vielfältig.“
Silke Leopold studierte Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Romanistik und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft in Hamburg und Rom. Parallel dazu absolvierte sie ein Studium in Gesang und Querflöte am Hamburger Konservatorium. 1975 promovierte sie unter Constantin Floros. Nach Stipendien in Rom und Berlin war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Carl Dahlhaus. 1987 habilitierte sie sich und lehrte u.a. an der Harvard University. Von 1996 bis 2014 war sie Ordinaria für Musikwissenschaft an der Universität Heidelberg und leitete bis 2020 die Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik.