Sir Roger Norrington | Foto: Manfred Esser
war, neben Nicolaus Harnoncourt und Sir John Eliot Gardiner, mehr als 50 Jahre einer der wichtigsten Pioniere der historisch-informierten Aufführungspraxis. Begonnen hatte alles mit dem Singen im elterlichen Haus. In den 1950er Jahren leitete er einen kleinen Chor mit Freunden. Dann entdeckte er Heinrich Schütz und gründete schließlich 1962 den Schütz Choir of London. Mit Schütz begann Norringtons aufregende Entdeckungsreise durch die Musikgeschichte. Die Stimme, der Gesang und damit verbunden das Wort wurden für ihn zu wesentlichen Faktoren in der Musik an der Wende von der Renaissance zum Frühbarock.
Dieses Musikverständnis begründete dann auch seine weltweite Karriere als Orchesterdirigent, mit einem Repertoire von Pergolesi, Mozart über Beethoven und Brahms bis Wagner, Vaughan Williams und Martinů. Seine Aktivität ist ungebrochen, die Begeisterung des Publikums gibt ihm bis heute recht.
Für seine Verdienste um die Pflege und Verbreitung der Musik von Heinrich Schütz ehrten wir Sir Roger Norrington 2019 mit dem Internationalen Heinrich-Schütz-Preis.
„Als ich 1962 den (Schütz-)Chor gründete,
war das der Anfang einer 30 Jahre währenden Entdeckungsreise. Schritt für Schritt
haben wir uns die Musik von 1600 bis 1900 erschlossen. Es war sehr aufregend,
einen Weg zu finden, wie die Musik eingebunden sein konnte in die
Aufführungsbedingungen ihrer jeweiligen Zeit und dennoch direkt zu uns heute
sprach. Das ist letztlich meine Aufgabe, die Musik unabdingbar oder zwingend
erscheinen zu lassen und gleichzeitig als Teil ihrer Zeit zu belassen.
Das ist mir sehr wichtig, dass derjenige,
der die Musik macht, sie nicht an sich reißt. Jede Musik hat ihre eigene
Gegenwart. Deren Gegenwart ist eine musikalische Vergangenheit – diese
Vergangenheit lebt in der Musik und diese lebt in uns. Das ist ein
entscheidender Teil meiner Arbeit, diesen berührenden Aspekt der Musik der
Vergangenheit herauszuarbeiten.“
Sir Roger Norrington, 2019